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Ich muss gestehen, dass ich Vorurteile gegenüber Bloggern habe. Was sicher damit zu tun hat, dass die Lektüre von Blogs (zumindest bisher) ein vernachlässigtes Sujet auf meiner Agenda war.
Apropos Agenda: Im Zuge meiner Recherche zu diesem Thema bin ich auf die Theorie gestoßen, dass Blogger, als quasi verlängerter Arm der Massenmedien, nur wiederkauen, was in den „großen“ Medien auf der Tagesordnung steht. Die Themen werden also nach dieser Meinung (oops der Versuch objektiv zu sein sneaks in – dabei ist ja gerade das der große Vorteil und das Schöne am Bloggen – jeder kann und darf ungehindert seiner Meinung freien Lauf lassen, man ist keinen Nachweis schuldig und außer den eigenen Ansprüchen nichts und niemandem verpflichtet (außer seinem Brötchengeber, was aber nur im Fall von corporate blogging zutrifft, und schon wieder eine neues Thema in dem Zusammenhang darstellt) und trägt somit der konstruktivistischen Anschauung, dass es ohnehin nur subjektive „Wahrheiten“ gibt, Rechnung) größtenteils nicht in der Blogosphäre (manche Worte gehören einfach nicht eingedeutscht!) selbst aufgebracht sondern die Blogosphäre dient als Resonanzkörper der Themenagenden anderer Medien.
Zudem wird dem Blogging eine „watch-Funktion“ zugeschrieben, die Blogger schauen Journalisten, Politkern und anderen Machtträgern dabei gern auf die Finger, decken Ungereimtheiten und Verschwiegenes auf und beeindrucken mit Insiderwissen. Durch die Beteiligung anderer in Form von Kommentaren u. dgl. kann nun wieder der Blogger selbst kritisiert und beurteilt werden. An und für sich ein recht demokratisches Vorgehen, meiner Meinung nach.
Kommen wir nun aber wieder zu den Motiven, und bitte verzeiht an dieser Stelle das Themen-zapping, (wobei mich das schon wieder auf eine neue Frage bringt: Ist es in Blogs üblich seine Leser direkt anzusprechen? und sind wir per du? – egal, sorry, weiter im Text), was mich wieder zu den Vorurteilen gegenüber den Bloggern bringt. Also für mich und mein eingeschränktes Sichtfeld sind Blogger bis dato entweder:
a) sozial verkrüppelte Wesen, die nur über dieses Medium Zugang zur Gesellschaft finden
b) von Selbstdarstellungsdrang zerfressene Narzissten
c) Gutmenschen, die es als ihre Pflicht ansehen, die Welt mit ihren Erkenntnissen und Tipps zu bereichern.
e) Menschen, die ihr Tagebuch verloren haben
Da es aber hier ja nicht die vorrangige Aufgabe ist, seine Vorurteile aufzuzählen, sondern etwas herauszufinden, habe ich ein bisschen herumgegoogelt. Und ha! da haben wir es: Laut einer Studie der Universität Leipzig, unter Mitarbeit des Medienwissenschaftler Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, in deren Rahmen 600 aktive Blogger befragt wurden, sind die Blogger hemmungslose Selbstdarsteller (meine Kategorie b) oder wollen die Welt verbessern (meine Kategorie c). Ob dieses Recherche-Resultat selektiver Wahrnehmung zu verdanken ist, die immer nur nach der Bestätigung bereits vorgefasster Meinungen sucht, bleibt dabei unklar.
Also Blogger sind Selbstdarsteller und Weltverbesserer. Obwohl man als Blogger mit festem Leserstamm schon einige Vorteile hat: Man bekommt Geschenklein, Einladungen und jede Menge Angebote – da zahlt sich das Weltverbessern doch gleich aus! Oder ob die großzügigen Spender der Präsente wohl nur die Bekanntheit des Blogger ausnützen um diesen vor den eigenen Karren zu spannen? Was ist mit den sogenannten corporate Bloggern? Die kommen ja bei der Zerfaß Studie, oder besser gesagt in dem Bericht über diese, gar nicht vor…oder doch, nämlich als Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation, denn laut Zerfaß sind Blogger auch „investigative Multiplikatoren, also Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Blognutzer sind damit interessante Dialogpartner für […] alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.“
Alles klar?
PS: Ich entschuldige mich für die Themensprünge und damit ev. entstandene schlechte Lesbarkeit (ich gebe zu, Klammer in der Klammer, das ist nicht schön und normal nur in der Mathematik erlaubt). Aber hey es ist mein Blogg!